Lebensraum vermeiden

 

Eine Kundin aus den Wirkwegen kontaktierte Max mit dem Wunsch, ein Haus auf der grünen Wiese zu planen. Interessant war ihre Ausgangslage: Sie verfügte bereits über drei bewohnbare Lebensräume und wohnte dennoch in einer Mietwohnung ihres Arbeitgebers. Das neu erworbene Grundstück sollte ihr vierter Lebensraum werden.
Zu Beginn wurden die klassischen Projektgrundlagen geklärt: Funktionen, Räume, Budget und Zeitrahmen. Die persönlichen Anforderungen wurden daneben erfasst. Die Resonanz- und Zielqualitäten erkundeten sie diesmal auf einem separaten Wirkweg in der Jadur – behutsam, mit Blickwinkeln und Lichtqualitäten, die mehr sichtbar machten als Grundrisse und Flächen. Im Verlauf dieses Prozesses begannen sich alte Vorstellungen vom Wohnen zu lösen. Neue Bilder entstanden und konnten integriert werden. Mit diesem erweiterten Blick betrachtete die Kundin ihre bestehenden Lebensräume erneut.
Dabei blieb ihre Aufmerksamkeit an einem Ort hängen: einem leerstehenden Einfamilienhaus in ihrem Besitz.
Sie fuhr dorthin, öffnete die Tür und nahm den Ort noch einmal bewusst wahr. Plötzlich zeigte sich etwas, das zuvor kaum Beachtung gefunden hatte. Dieses Haus erfüllte bereits viele der Qualitäten, nach denen sie gesucht hatte: eine gute Lage, Weitsicht, Garten, Großzügigkeit und eine vertraute Gemütlichkeit.
Der geplante Neubau verlor dadurch an Bedeutung. Nicht weil er unmöglich geworden wäre, sondern weil die ursprünglich gesuchte Qualität bereits vorhanden war.
Der Auftrag löste sich nicht durch mehr Aktivität, schnellere Entscheidungen oder den üblichen linearen Weg auf. Die Lösung entstand durch einen breiteren Blick auf die vorhandenen Möglichkeiten. Ressourcen, Zeit und Energie konnten dadurch geschont werden.

Für Max war dies eine weitere Bestätigung, dass neue Lösungen nicht immer durch neue Projekte entstehen müssen. Manchmal entstehen sie durch eine veränderte Wahrnehmung dessen, was bereits vorhanden ist.
Für die Kundin blieb eine einfache Erkenntnis: Nicht jeder Wunsch nach einem neuen Lebensraum entsteht aus einem tatsächlichen Bedarf. Manchmal steht dahinter die Hoffnung, etwas zu finden, das bereits vorhanden ist. In solchen Fällen kann ein neuer Lebensraum unbewusst zu einer Form von Aktivität werden, die das eigentliche Ankommen verzögert. Lebensraum 7D lädt deshalb dazu ein, vor jeder Veränderung nicht nur nach dem nächsten Schritt zu fragen, sondern auch danach, ob das Gesuchte vielleicht bereits näher ist als gedacht.